26.01.2007 | Offizielle Eröffnung des Georg-Simmel-Zentrums
Am 26.01.2007 wurde das Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung offiziell eröffnet. Die Veranstaltung war in ein zweitägiges wissen-schaftliches Programm eingebettet. Den Anfang machte der Workshop "Governance von Creative Industries". Anschließend begann um 17 Uhr die offizielle Eröffnungsveranstaltung des GSZ "Internationale Stadtforschung - Urban Governance im 21sten Jahrhundert" im Senatssaal der Humboldt-Universität. Dies bildete auch den Auftakt der europäischen Konferenz "Banlieue Europa? - Jugendunruhen - Stadt - Migration".
Der Workshop "Governance von Creative Industries" fand am 26.01 von 9-16 Uhr in den Räumen des GSZ statt. Die Initiatoren waren Prof. Mieg, Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung, Ingrid Walther, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Dr. Bastian Lange, Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig/GSZ für Metropolenforschung, Dr. Birgit Stöber, Copenhagen Business School und Ares Kalandides, Nati-onal Technical University of Athens, Greece/InPolis, Berlin. Er wurde maßgeblich von dem GSZ Mitglied Bastian Lange und von Ares Kalandides (InPolis Berlin) geplant und durchgeführt. Ziel war es, Bedarfe, Fragestellungen und Praxis- sowie Forschungsperspektiven des jungen Kultur- und Wirtschaftssegments Creative Industries vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren. Außerdem sollte das Georg-Simmel-Zentrum als künftige Kommunikationsplattform zwischen Wirtschaft, Fachverwaltung, Politikberatung und Forschung innerhalb des Themenfeldes "Creative Industries" etabliert werden. Daher wurden neben der Vorstellung von Projekten und Promotionsvorhaben fünf Arbeitsgruppen gebildet. Innerhalb dieser fünf Arbeitsgruppen soll ein regelmäßiger Austausch zwischen Fachverwaltung, Wissenschaft und Praxis stattfinden, sie bilden entsprechend die Grundlage der etablierten Plattform. Diese fünf Arbeitsgruppen sind: "Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung", "Arbeit und Professionalisierung", "Stadträume und Creative Industries" "Creative Cities am GSZ" und "Politische Instrumente". Ein erstes Ergebnis des Workshops ist, dass es Ziel sein muss, die generellen Infrastrukturbedingungen der Creative Industries zu fördern und nicht lediglich einzelne Projekte. Weitere Ergebnisse und zukünftige Entwicklungen finden Sie demnächst in einer neu eingerichteten Rubrik der GSZ-Homepage.
Der Workshop wurde von ca. 50 Personen besucht.
Die Offizielle Eröffnung des Georg-Simmel-Zentrums für Metropolenforschung stand unter dem Thema "Internationale Stadtforschung - Urban Governance im 21sten Jahrhundert". Sie begann um 17 Uhr im Senatssaal der Humboldt Universität zu Berlin. Zunächst hieß Prof. Dr. Mieg (Sprecher des GSZ) die ca. 150 Gäste willkommen. In seiner Auftaktrede begründete er die Notwendigkeit von Metropolenforschung als eine Folge der weltweiten Urbanisierung. Anschließend hielt Prof. Dr. Markschies (Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin) einen Kurzvortrag über den Zusammenhang von Stadt und Religion und wies auf den urbanen Charakter des Christentums hin. Die dritte Rede des Abends wurde von Prof. Dr. Kaschuba, Mitglied des Zentrumsrates des GSZ gehalten. In seiner Rede sprach er von den Potenzialen der Stadt Berlin, ihrer Wissenschaftslandschaft und der Rolle des GSZ innerhalb der letzteren. Anschließend moderierte Prof. Dr. Häußermann (Mitglied des Zentrumsrates des GSZ) eine Paneldiskussion mit Prof. Cantle (IDeA, London) und Prof. Engbersen (Erasmus Universiteit Rotterdam). Diskutiert wurden die Perspektiven der Stadtforschung und die verschiedenen Strategien von "urban Governance" innerhalb Europas.
Die europäische Konferenz "Banlieue Europa? Jugendunruhen - Stadt - Migration" schloss direkt um 19 Uhr an die offizielle Eröffnung des GSZ an und fand ebenfalls im Senatssaal der Humboldt-Universität statt. Diese Konferenz wurde gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem British Council organisiert und vom Centre Marc Bloch sowie vom Kooperationsbüro der französischen Botschaft unterstützt.
Auf der zweitägigen Konferenz wurden die länderspezifischen Zusammenhänge zwischen Ausgrenzung junger Menschen, Stadtstruktur, Integrationspolitik und Jugendkulturen untersucht und debattiert. Im Fokus standen Jugendunruhen in Frankreich und England und deren Ursachen. Ist es Enttäuschung über mangelnde Bildungs- und Berufsperspektiven, die Kontaktarmut von Parallelgesellschaften, materielle Armut und räumlicher Ausschluss oder die Rivalität von Jugend- (und hauptsächlich Jungs-)Gangs? Die in den jeweiligen Kommunen und Ländern gezogen Konsequenzen wurden vorgestellt und anschließend diskutiert. Am Ende der Veranstaltungen kristallisierten sich neben vielen weiteren Aspekten zwei Thesen heraus, die als Ergebnis der Konferenz betrachtet werden können:
1. Die jüngsten Jugendunruhen sind als soziale Konflikte zu bewerten und gehen daher in ihrer Brisanz weit über gelegentliche Unruhen Unzufriedener einerseits aber auch Randale gelangweilter Jugendliche hinaus. Es handelt sich um soziale Konflikte, da die Jugendlichen aus marginalisierten Gruppen stammen, die sich sogar räumlich, in Banlieues etwa, manifestieren. Für Prognosen die Deutsche Situation betreffend, zeigt sich hier jedoch ein positiveres Bild, da hier die entsprechenden Viertel wie etwa Kreuzberg oder Neukölln, in den Innenstädten angesiedelt sind und somit ein höheres Integrationspotential bergen.
2. Die Situation in Frankreich und England kann aber auch als Vorschau auf das verstanden werden, was in Deutschland in etwa 10 Jahren bevorsteht. Den Übergang in Einwanderungsgesellschaften und damit auch in multikulturelle oder multiethnische Gesellschaften haben diese Länder bereits früher eingeschlagen. Damit neu entstehende soziale Konflikte und Probleme sind dort bereits erkennbar. Der Vorteil der deutschen Situation mag darin bestehen, eine entsprechende Politik bereits vor dem Ausbruch gewaltförmiger Aufstände einleiten zu können.
Weitere Informationen und eine ausführliche Dokumentation der Konferenz finden sie auf der Homepage der Heinrich Böll Stiftung

Prof. Dr. Harald A. Mieg

Prof. Dr. Markschies

von links: Prof. Cantle, Prof. Häußermann & Prof. Engbersen


Banlieu – Problemdefinitionen, Problemlagen und Akteure. Ein Schema zum Vergleich Frankreich/Deutschland